Wer ist hier fremd?

Der junge Mann im Karibuni hat mir eine schöne Kombination genäht und hat mich alte Frau zum Eis Essen eingeladen. Verkehrte Welt, dachte ich. Dazu fällt mir eine kleine Geschichte ein.

Wir waren auf dem Weg nach Bamako, denn wir hatten einige Tage mit Kandioura auf dem Dorf in seiner Heimat verbracht. Er besuchte Frauen in ihren Hütten, um ihnen die alten Techniken der Stoffbearbeitung zu zeigen. Dort war man wirklich arm, es gab nichts, rein gar nichts. Auch die Grundnahrungsmittel waren sehr knapp. Wenn die Leute unsere weißen Gesichter sahen, dachten sie, jetzt k0mmt irgendein Hilfswerk und groß war die Enttäuschung, wenn ihre ausgestreckten Hände leer blieben…

Nach einer Woche machten wir uns auf den Rückweg. Inge und ich fuhren die holprige Piste von Markala nach Ségou und hatten mal wieder die Nase voll von dem ständigen Gebettel: „Monsieur, madame! Ca va? Cadeau?“ Wir hatten beide kurze Haare und trugen Hosen. Für die Frauen waren wir deshalb geschlechtslose Wesen. Vielleicht kannten sie auch nicht die französischen Wörter, sie durften garantiert nicht auf die Schule.

Wir überholten eine Reihe von Frauen, die am Straßenrand im Gänsemarsch trottete, auf den schier endlosen Wegen vom Markt oder zum Markt – wir wussten es nicht –

Sie schauten schon ganz elektrisiert auf uns, als wir zum vorsichtigen Überholen ansetzten. Mich ritt der Teufel, ich hielt die leere Hand bittend aus dem Seitenfenster und sagte in jämmerlichem Ton:““Monsieur, madame! Ca va? Cadeau?“

Da griff eine dieser mageren Schönheiten mit ihrem dünnen Ärmchen in die Kalebasse auf ihrem Kopf und holte ein winziges Büschelchen Gras oder Kräuter und reichte es mir mit wahrer Grandezza – und ich war beschämt

„Monsieur, madame! Ca va? Cadeau?“

Und nochmal dieser wunderschöne Song :

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