Willst du mit mir gehn?


Es gibt eine alte spanische Romanze, die mir lange Zeit nicht aus dem Kopf gehen wollte. In wunderschöner anschaulicher Sprache wird von einem edlen Herren erzählt, dessen Name mir einfach nicht mehr einfallen wollte. Die Moral von der Geschichte ging mir nicht aus dem Kopf, sie hatte sich dort festgekrallt und machte sich bei allen möglichen und unmöglichen Gelegenheiten bemerkbar. Sie ist schlicht und einfältig, meint man, beim ersten Lesen. Schillernd, tiefgründig, vielfältig wird sie beim weiteren Lesen. Deshalb ist diese Romanze so bekannt. Ich wollte nochmal das Original lesen und suchte im Internet. Immer wieder und unter verschiedenen Stichwörtern: „War es Don Ronaldo oder Don Hernando, war es Don Ricardo oder Don Rudolfo. Für den Namen war in meinem Hühnerköpfchen kein Platz mehr, zurückgeblieben war nur das Gerüst der Erzählung und die Wirkung der Moral:

Der edle Herr  zieht morgens früh los, er hat seinen Falken auf der Hand. Er reitet zum Meer und schaut auf den Hafen, da sieht er, wie die Seeleute ein Schiff auftakeln, also fertig machen für die große, ungewisse Fahrt. Der Seemann singt ein zauberhaftes Lied, das wundersamen Frieden dem Schiff und dem Meer schenkt. Die Vögel setzen sich bezaubert auf den Querbalken, die Fische kommen an die Wasseroberfläche…..

Nun bittet Don Alfonso den Schiffer, ihn das Lied zu lehren. Der antwortet:

Mein Lied kannst du nur lernen, wenn du mit mir auf Fahrt gehst…..

Ich wollte den Text noch einmal genau nachschauen, suchte also im Internet, suchte und suchte. Ich fand ihn nicht. Ich war wohl noch nicht bereit mitzugehen….. Schnelle Info, so wie unsere Zeit uns vorspiegelt, das Wissen bekommen wir nur, wenn wir bereit sind mitzugehen. In diesem Fall war es das Alte, Bewährte.

Und so war es, ein Griff in den Bücherschrank erwies sich als erfolgreich,

Da stand sie:

„Romance del Conde Arnaldo“ auf Spanisch in drei Fassungen wissenschaftlich interpretiert von einem Herrn Christoph Rodiek und vor langer Zeit schon übersetzt von Emanuel Geibel,

 

Wer doch auch solch Abenteuer

Einst erführ’ am Meeresstrand,

Wie’s erfuhr der Graf Arnaldos

An dem Morgen Sankt Johanns!

Auf die Jagd war er gezogen

Mit dem Falken in der Hand,

Sah er da ein ‚Schifflein fahren,

das sich wandte zum Gestad;

Fein von Seiden hatt’ es Segel,

Tau und Seil’ aus Zindel* klar,

und der Schiffer, der es lenkte,

sang so lieblichen Gesang,

Daß das Meer bezaubert ruhte,

Und der Wind versank in Schlaf,

Dass die Fischlein tief vom Grunde

Aufwärts stiegen wundersam,

Und die Vögel aus den Lüften

Niederschwebten auf den Mast.

Da begann der Graf Arnaldos,

Wohl vernehmet, was er sprach:

„Bitt’ um Gott dich, edler Schiffer,

Lehr mich singen den Gesang.“
Doch der Schiffer gab zur Antwort,

Gab zur Antwort unverzagt:

„Niemand darf mein Lied dich lehren,

Als wer mit mir stößt vom Strand.“

Emanuel Geibel 1883

 

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Einige Gedanken zu “Willst du mit mir gehn?

  1. Lutz Drescher

    bezaubernd auch Deine Nacherzählung!
    Und ja so geht es…. Statt das naheliegende zu tun wählen wir oft erst den (Um)Weg über das Internet.

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