Hedwig und die Weltliteratur

Geschichten von Hedwig

Am 12.8.1992 ist sie gestorben, sie ist 88 Jahre alt geworden. Die letzten Jahre hat sie in einem Altersheim verbracht. Ich muss oft an sie denken, vor allem jetzt, seit ich in einer Einrichtung mit vielen alten Menschen wohne, denn ich bin alleinstehend und chronisch krank.

Meine Mutter wohnte in einem  klassischen Altersheim mit  vielen Zimmern an langen Gängen. Es war aber recht hübsch und kuschelig eingerichtet, die Damen und Herren gingen in den Speisesaal, dort sangen und spielten sie auch. Ich glaube, es war eine liebevolle Betreuung.

Vieles versteht man erst, wenn man selber alt wird. Aus diesem Verstehen heraus, habe ich die Bildergeschichten gemacht: „Hedwig ist jetzt im Altersheim“. Heute höre ich  ihr gepflegtes Schwäbisch, wenn ich an sie denke; auf Hochdeutsch geht das gar nicht (so sagt man doch heute).

Diese Bildergeschichten findet man samstags auf www.alzheimerblog.de

Hier steht ab heute jeden Mittwoch:

Hedwig und die Weltliteratur

 

Hedwig war einfach nur Hedwig. Sie war nicht Hausfrau, sondern Geschäftsfrau. Sie hatte immer viel zu tun, da blieb keine Zeit für die Weltliteratur. Man musste pünktlich den Laden aufmachen, dann stand die Inventur an und immer waren Kunden im Laden:“Grüß Gott, Frau Wolf! Mit was kann e Ihne helfe?“

Welches Vergleichsmoment angesprochen ist, bleibt dem Leser überlassen. Manchmal ist der Bezug zu dem literarischen Werk sehr oberflächlich, manches Mal aber auch sehr hintergründig.

„Verrücktheit“ ist in der Geschichte der Menschen häufig anzutreffen. Wenn man demente Menschen beobachtet, findet man Vorbilder in der Literatur: Der erste Romanheld der europäischen Literaturgeschichte hat eine fixe Idee, er ist voller Idealismus, als Kämpfer für das Gute, Edle und Schöne zieht er hinaus in die weite Welt. Dort kriegt er immer wieder die Hucke voll und kommt geschlagen nach Hause, wo er von der Haushälterin und dem Pfarrer ausgeschimpft wird. Sie versuchen, ihm den Glauben an das Wunderbare auszutreiben und von seiner „Krankheit“ zu heilen. Das gelingt ihnen nicht.

Es ist  „Don Quijote de la Mancha“ von Miguel de Cervantes  (1605)

 

Don Quijote 1.001

 

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