Die Hobbyfriseuse *1933

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Können Bienen Schicksal spielen ?

Sie können!

Als ich 1948 nach der Volksschule eine schwierige Aufnahmeprüfung auf ein Aufbaugymnasium machte, rettete mich zuletzt die Frage nach der Funktionsweise eines Bienenvolkes vor dem Durchfallen.Da meine hochbegabte Schwester auf dem Gymnasium war, meinten meine Eltern, ich müsste auch so was machen, mit dem Endziel: Lehrerin, obwohl ich eigentlich Friseuse werden wollte.
Es folgte ein hartes Leben im Internat: 40 Mädchen schliefen in einem großen Schlafsaal: Bett – Nachttisch, Bett- Nachttisch, Bett und das 40 mal. Im Nachttisch hatten wir unsere geheimsten Sachen verstaut. Die Heimleiterin schaute trotzdem nach, ob da drin auch Ordnung herrschte. So kam es einmal, dass meine geheimen Sachen auf dem Fußboden lagen – sie hatte einfach die Schublade ausgeleert, weil da Unordnung herrschte. Ich hasste sie.
Der Waschsaal hatte 20 Waschbecken – einmal pro Woche durfte im Keller geduscht werden.
Der Speisesaal war riesig, wir waren rund 200 Mädchen, die da verköstigt wurden. Wenn da geklingelt wurde, durfte nicht mehr gesprochen werden. Wir beherrschten alle die Zeichensprache. Der einzige Rückzugsort, wo man mal allein war, waren winzige Zellen im obersten Stock, wo man Geige üben musste. Immer wieder wollte ich diese Schule verlassen – wie andere auch – aber da biss ich bei meinen Eltern auf Granit.
Aber es gab auch schöne Dinge: Wir spielten Theater, ich durfte im Schulorchester mitspielen, wir hatten einen wunderbaren Kunstunterricht. Musik und Kunst waren Prüfungsfächer, und nicht zuletzt:Jede Menge Freundinnen.
Nach dem Abschluss folgten 2 Jahre Pädagogische Hochschule – wieder ein Internat – dann wurde ich in die Freiheit entlassen.Nun zu den Bienen: Im Lehrplan der 7. Klasse, die ich als erstes bekam, stand „das Bienenvolk“. Ein junger Kollege bot sich an, mich zum Bienenhäuschen seines Vaters mitzunehmen und mir alles zu erklären. 10 m vor dem Bienenhaus verfing sich eine Biene in meinen Haaren und stach mich in den Kopf. Ich flüchtete. Der Kollege suchte lange in meinen dicken blonden Haaren nach dem Stachel, weil der angeblich herausmusste.
Nach 2 Jahren war meine Freiheit zu Ende, wir heirateten.
Es war der Beginn einer langen guten Ehe, die immer noch anhält.
Übrigens: Lehrerin wurde auch mein Traumberuf und unter dem Traumberuf „Friseuse“ litten mein Mann und unsere Kinder: Ich schnitt ihnen immer die Haare.
Die Haarschneidemaschine habe ich nicht ins Gevita mitgenommen, sodass mein Mann jetzt die Athmosphäre eines Friseursalons erlebt: Ich habe den Eindruck, er genießt es, wenn er inmitten der Damen, die ja immer was zu erzählen haben, von der freundlichen Frau Lore im Untergeschoss routiniert einen Kurzhaarschnitt bekommt. Dazu kommt, dass er Frau Lore und sich selbst in dem großen Spiegel bewundern kann.

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 Fazit: Man kann im Alter, auch wenn es einem nicht so gut geht, noch angenehme Überraschungen erleben.

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