Nachrichten aus der Kurklinik: PMR

Wissen Sie, was PMR ist? Das ist eine der beliebtesten und wirksamsten Entspannungstechniken unserer Zeit.

Ein Herr Jacobson hat sich das ausgedacht. Es findet immer am Abend statt. Man legt sich auf eine Plastikmatte und entspannt zu den Worten eines Therapeuten. Ich hasse schon seit Jahrzehnten den Geruch dieser Matten, ich setze mich an die Wand und lasse die Arme baumeln. Ich kann ein wenig durch die geschlossenen Lider blinzeln, es ist nicht erlaubt. Es ging mir wie den Kindern im Gedicht von Jacques Prévert:

Schulheft

Zwei und zwei sind vier

Vier und vier sind acht

Acht und acht sind sechzehn …

Nochmal! sagt der Lehrer

Zwei und zwei sind vier

Vier und vier sind acht

Acht und acht sind sechzehn …

Aber da! Ein Paradiesvogel

Fliegt da am Himmel

Das Kind sieht ihn

Das Kind hört ihn

Es ruft ihm zu:

Rette mich!

Spiel mit mir!

Vogel!

Also kommt der Vogel herunter

Und spielt mit dem Kind

Zwei und zwei macht vier

Nochmal! sagt der Lehrer

Aber das Kind spielt

Und der Vogel spielt mit ihm

Vier und vier macht acht

Acht und acht sechzehn

Und sechzehn und sechzehn was machen die?

Die machen gar nichts, sechzehn und sechzehn,

Und bestimmt nicht zweiunddreißig,

Ganz bestimmt nicht

Und weg sind sie.

Und das Kind hat den Vogel

Unter seinem Tisch versteckt

Und alle Kinder

Hören seinen Gesang

Und alle Kinder

Hören die Musik

Und acht und acht machen sich ihrerseits davon

Und vier und vier und zwei und zwei

Alle hauen sie ab

Und eins und eins machen weder eins noch zwei

Eins und eins sagen jetzt auch: Tschüss!

Und der Paradiesvogel spielt

Und das Kind singt

Und der Lehrer schreit:

Wenn ihr jetzt mal mit dem Blödsinn aufhört!

Aber auch alle anderen Kinder

Hören die Musik

Und die Wände des Klassenzimmers

Fallen langsam in sich zusammen

Und aus den Fensterscheiben wird wieder Sand

Aus der Tinte wird wieder Wasser

Die Tische werden wieder zu Bäumen

Aus der Kreide werden Felsen

Und der Füllfederhalter wird wieder zum Vogel.

Das Original von meinem gemalten Bild hängt jetzt im Fitnessraum einer Mitpatientin, sie hat es mir für eine Tafel Schokolade abgekauft. Und hier folgt das Originalgedicht von Jacques Prévert. Das ist natürlich viel berühmter.

Jacques Prévert

Deux et deux quatre

quatre et quatre huit

huit et huit font seize…

Répétez ! dit le maître

Deux et deux quatre

quatre et quatre huit

huit et huit font seize.

Mais voilà l’oiseau-lyre

qui passe dans le ciel

l’enfant le voit

l’enfant l’entend

l’enfant l’appelle :

Sauve-moi

joue avec moi

oiseau !

Alors l’oiseau descend

et joue avec l’enfant

Deux et deux quatre…

Répétez ! dit le maître

et l’enfant joue

l’oiseau joue avec lui…

Quatre et quatre huit

huit et huit font seize

et seize et seize qu’est-ce qu’ils font ?

Ils ne font rien seize et seize

et surtout pas trente-deux

de toute façon

et ils s’en vont.

Et l’enfant a caché l’oiseau

dans son pupitre

et tous les enfants

entendent sa chanson

et tous les enfants

entendent la musique

et huit et huit à leur tour s’en vont

et quatre et quatre et deux et deux

à leur tour fichent le camp

et un et un ne font ni une ni deux

un à un s’en vont également.

Et l’oiseau-lyre joue

et l’enfant chante

et le professeur crie :

Quand vous aurez fini de faire le pitre !

Mais tous les autres enfants

écoutent la musique

et les murs de la classe

s’écroulent tranquillement.

Et les vitres redeviennent sable

l’encre redevient eau

les pupitres redeviennent arbres

la craie redevient falaise

le porte-plume redevient oiseau.

Dieses Gedicht findet man gesungen, getanzt, gemalt, rezitiert, erklärt, besprochen auf Youtube und in vielen Schulbüchern, ich liebe es.

 




Der Oma schmeckt’s nicht….

Aber dem Opa schmeckt’s…….

Seit einer ganzen Weile wohnt Frau Müller in einer Institution im äußersten Süden Deutschlands. Diese Einrichtung hat viele verschiedene Namen. Sonntags heißt sie „Seniorenresidenz“, werktags nennt man sie „Altersheim“. Hier hat sie für sehr viel Geld eine sehr kleine Wohnung mit einer winzigen, aber sehr perfekten Küche gemietet. Frau Müller ist nicht dumm, sie ist nur alt. Trotzdem lernt sie immer noch dazu. Gerade, als sie sich an den supermodernen Induktionsherd gewöhnt hatte, als sie dieses Wunderwerk der Küchentechnik bedienen konnte, als sie endlich gelernt hatte, was „Booster“ heißt, schlug wieder der Menschenfeind „ Alter“ zu. Es war ja nur ein kleiner Schlag, eigentlich kein Schlag, schon gar kein Blitzschlag, eher das Gegenteil, eine schleichende Verfinsterung mit Sternschnuppen. So zeigte sich ihr der graue Star. Es musste operiert werden, einmal links und einmal rechts im Abstand von 4 Wochen.

Das hieß für sie mindestens 6 Wochen absolute Fehlsichtigkeit. Sie konnte sich nur schlecht orientieren und im Haushalt praktisch nichts mehr machen. In diese Zeit fällt das nette kleine Gespräch, das sie mit Ihrer Tochter, die weit weg wohnt, geführt hat.

Nach kurzem einführenden Geplänkel, der Mitschnitt beginnt:

Frau Müller: (Jammernd) Oh Angela, jetzt klappt’s ja gar net mehr mit dem Kochen, jetzt muß ich wohl auch im Heim essen.

Angela unterbricht sie: Ich weiß nicht, was du willst…

Frau Müller: Es ist ja so teuer, und es schmeckt mir gar nicht. Gemüse nur aus der Dose und die Nudeln so verkocht.

Angela: (sehr forsch) Jetzt stell dich nicht so an, hier bei uns im Ort  im Elisabethen-Stift, da wo der Onkel Karl-Gustav ist, da gibt es ein sehr gutes Essen, das sagen alle.

Frau Müller: (den Tränen nah) Ich wohn doch aber hier und…..

Angela: (unterbricht sie)  Ich kann dich gar nicht verstehen, alle finden es  hier super und billig, ich kenn Leute, die geh’n sogar zum Essen dorthin

Frau Müller: „ich würde ja auch ………

Angela: (fällt ihr ins Wort)

Ich finde das ja pervers, wenn Leute ins Altersheim zum Essen gehen,

Frau Müller: A-aber das …..

Angela: Ich finde das ja total unmöglich, richtig pervers, wenn normale Leute da zum Essen hingehen. Also tschüssi Mama und guten Appetit!!!

Die Oma bleibt sprachlos zurück und macht jetzt die Hörgeräte raus, wenn sie mit ihrer tüchtigen Tochter telefoniert und denkt:

Oh, wie schön wär’s, wenn ich auch so pervers wäre
!


Wie die Oma auf’s Skateboard kommt

 

 

 

Natürlich bin ich als Kind Rollschuh gefahren. Zur großen Kunst habe ich es nicht gebracht, einen Bogen konnte ich immerhin fahren, als Bremse dienten die Hauswände. In der Stadt, in der ich groß geworden bin, gibt es rund um den riesigen Marktplatz im Schachbrett-Muster Arkaden. Mit großem Getöse fuhren wir auf den Metallrädern von Arkade zu Arkade, die letzte in der Reihe war unser Halt. Wenn ich so zurückdenke, so war das sehr stümperhaft vom sportlichen Können  her betrachtet. Wir wollten nur unser Vergnügen, das entweder mit aufgeschlagenen Knien oder dem Verbot der entnervten Ladenbesitzer endete.Sport war damals in den sechziger Jahren des letzten Jahrhunderts nicht „Kult“.

Sport war noch Leibesertüchtigung und kein Lebensgefühl. Es war erlaubt, den Sport etwas von oben herab zu betrachten. Für die sechziger Jahre ging das noch, der Unsportliche konnte so doof sein, wie er wollte, er galt immer als Geistesmensch. Da es noch keinen Knieschutz gab, war ich ein „Geistesmensch mit aufgeschlagenen Knien“.

Die Zeiten änderten sich nach und nach, plötzlich  musste, wer was gelten wollte, sportlich sein.  Die Rollschuhe wurden weggelegt, die Inliner kamen in Mode. Da wurden die Hauswände weniger wichtig, die Inliner hatten nämlich Bremsen, man konnte also selbständig anhalten. Diese Entwicklung ging an mir aber vorbei. Ich war in Kuba, und dort unter der heißen Sonne gab es gar nichts, nur alte Autos und chinesische Fahrräder ohne Licht und oft ohne Bremse. Als ich 2000 aus Kuba zurückkam, hatte mich die Entwicklung überholt.

Ich sah im Café einen Jungen von ca 12 Jahren . Er spielte mit einem winzig kleinen Brettchen mit vier winzig kleinen Rädchen und machte fingerfertige Kunststücke. Ich war fasziniert und sprachlos über so viel spielerischen Luxus. Kurz darauf staunte ich auch über die echten großen Skateboards.

Im Park, dort wo ich dann später als alte Dame mit meinem Hund spazieren ging, gab es sogar eine Skater-Bahn. Ich staunte nicht schlecht.

Vor einem Jahr habe ich das im Fernsehen gesehen

Jetzt habe ich ein Skateboard, in meiner Jugend hätte man Rollbrett dazu gesagt. Ich habe es mir wirklich gekauft! Es ist nicht ganz komplett, ich besitze nur das Mittelstück, darauf steht: „The most drunken skateshop in the world“.

Mein Rollbrett rollt nicht, es steht auf drei Beinen, fest und sicher, also ideal für mich – ich will mir ja nicht mehr die Knie aufschlagen. Es ist sehr leicht, dass es sich gut auf dem Rollator transportieren lässt. Es ist aber auch für junge Leute geeignet, „cool“ würden die sagen oder „stylish“ oder so. Wenn ich 10 Enkel hätte, würde ich jedem/jeder eins kaufen. Mit Herz!!!


Das noch zum Internationalen Frauentag

Liebe Clara Zetkin,

 

!!!!!!!!!!!!!!!

 

heute ist der internationale Frauentag eine Woche her. Laut Wikipedia verdanken wir den ja dir und der sozialistischen Internationale und nicht Fleurop und auch nicht Lindt und Sprengel. Liebe Genossin Zetkin, hast du dich auch so gegrämt, als genau zu deinem, beziehungsweise unserem internationalen Frauentag Yves Saint Laurents Nachfolger die magersüchtigen Mädchen auf die Pariser Plakatwände geklebt hat? Dort mussten diese Gespensterinnen eine Woche aushalten und wir mit.

Als ich noch ein Mädchen war, also in ganz jungen Jahren, es war so in den späten 60er oder Anfang der 70er Jahre war ich auch mal in Paris. Da saß ich in einer Metrostation (natürlich in Begleitung meiner Gasteltern) und schaute mit den Augen eines Landkindes auf die große weite Welt. Ich  sah ich zum ersten Mal eine Polizistin. Sie lief neben einem männlichen Kollegen, es waren wie immer und überall zwei, hier nun ein Mann und eine Frau, beide in blauer Uniform, der Mann mit Hosen und praktischem Schuhwerk, die Frau im engen Rock mit kleinen Seitenschlitzchen, die ein etwas besseres Ausschreiten möglich machten, dazu trug Madame dezente kleine Pumps mit 5cm Absatz in dunkelblau, passend zum Rock.

Ich staunte und folgte aufmerksam, wie sie an mir vorbei gingen. Plötzlich, irgend etwas passierte, die beiden rannten los. Was meinst du, ma chère Clara, wer war schneller?  Natürlich der Mann! Da kam mir zum ersten Mal der Gedanke der Benachteiligung des weiblichen Geschlechts. Der Stachel der versteckten Diskriminierung. Es ist doch selbstverständlich, dass Mann und Frau gleich behandelt werden, wenn Frau Polizistin aber unbedingt modischer gekleidet sein will?????

Zurück zu meinen Erfahrungen: Die Absätze meiner ersten hohen Schuhe hatten auch nur  fünf Zentimeter, aber ich hatte damals schon den Eindruck, ich falle nach vorn.

Gnadenlos wurden die Absätze höher und höher, man nannte diese Schuhe Stöckelschuhe mit Pfennigabsätzen, Kein Parkettboden widerstand dieser Waffe.

Zehn Jahre später haben wir unsere Stöckelschuhe weggeworfen.

Damals, als wir glaubten, die Internationale würde den Weltfrieden bringen, oh Clara Zetkin, schaust du manchmal noch auf uns Frauen herab?

Die Polizistinnen sind inzwischen angepasster gekleidet….. aber was ist mit den anderen Frauen?

Aus Stöckelschuhen wurden „High Heels“.

Heute hat sich der Europäische Gerichtshof mit dem Kopftuch auseinandergesetzt…….aber das ist nur so ein kleiner Gedanke von mir. Es gibt ja viel Wichtigeres zu verbieten.

Bis zum nächsten Jahr

 


Make Mexico great again

 

Das ist nicht meine Antwort auf Donald Trump, sondern die meines Bioladens: Primacasa in einer kleinen süddeutschen Stadt. Als ich das Foto meinem mexikanischen Freund geschickt habe, kam die Antwort: „Das is da hammer!“

 

Und da der Internationale Frauentag nicht mehr weit ist, kommt noch ein Beitrag aus Mexiko:

ADELITA – bei Wikipedia findet man alle Informationen zu dieser „Soldadera“ mit dem kleinen Hintergedanken, was hätte diese Frau mit dem Herrn Präsidenten gemacht?


Dear Martin Luther!

hoch verehrter Reformator, du genialer Wortschöpfer und Sätzebildner. Wir wissen, du hast einmal dein Tintenfass nach dem Teufel geworfen. Könntest du bitte wiederkommen? Könntest du meinen Computer an die Zimmerwand schmeißen?  Ich habe auch eine Mordswut , ich bin aber  alt und schwach. Bei mir in der Ecke haust auch ein Teufel, der Englisch-Beelzebub. Der muss weg! Er schwätzt mir die Ohren voll und das Hirn weg. Hoch verehrter Martin Luther, du hast vor langer Zeit gesagt:

 

 

„Man muss die Mutter im Hause, die Kinder auf den Gassen, den gemeinen Mann auf dem Markt fragen und denselbigen aufs Maul sehen, wie sie reden und danach dolmetschen, so verstehen sie es dann und merken, dass man Deutsch mit ihnen redet.“*

 

Daran hält sich niemand mehr!

Schaut man uns Alten aufs Maul?  Nein, uns guckt man nicht auf den Mund, uns nicht und dem gemeinen Mann nicht. Auch nicht dem Kind. Alle schauen nur
nach Amerika……Wir schreien in großer Not, weil wir nichts mehr verstehen.


In der Schule hat man uns mit Englisc traktiert, doch wir haben forgot it.  Yes Gott help us. We have nur Rechnen gelernt. Jetzt werden wir Tag für Tag mit neuen englischen Wörtern beworfen, which were often no always  englisch. Es schlägt über unserem Kopf zusammen, me turns up the head.. Der alte Katholik hatte, als du unter uns warst,  klare Regeln und many icons an den Wänden der Kirchen. Mir erklärt kein Comic, wie ich in Himmel komme. Must I go over the higher grownd oder längt a event in the church?

Lieber Brother Martin, do you hear me? Gestern verirrte ich mich in the holy katholick chörch, auch da was a song in englisch, a holy song: „I viel so homelig.“

I am lost in the Speak-Trash and I am looking for the castle und kann’s nicht finden.

I am a old, fromm wife and need your help.

Please come back, only for one day to schmeißen some computers at the wall….

Jag den Teufel off, that all is like vorher.

Ich danke dem werten Bruder Martin von ganzem Herzen, IM VORRAUS

THANK YOU VERY MUCH

 

 

 

 

 

*dem Volk aufs Maul schauen (beobachten, wie sich die einfachen Leute ausdrücken und von ihnen lernen; nach M. Luthers [1483–1546] »Sendbrief vom Dolmetschen

Am 21.Februar ist der Tag der Muttersprache

Die Bilder sind in St.Peter Blansingen aufgenommen


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