Herr von Valmont erklärt seiner demenzkranken Großmutter sein iPad

ipad

Frau von Valmont: Oh, wie schön ist Vitala!

Herr von Valmont: (Steigt aus seinem Porsche, macht den Schirm auf und geht schnell die paar Meter zum Café der Sonnenscheinresidenz, er will seine Oma besuchen.) Sie sitzt im Rollstuhl am Tisch.

Herr von Valmont: Hallo Omi, geht’s gut, heut’ ist aber auch so ein schlechtes Wetter, das war ne Fahrt. (Küsschen). Du hast es gut, du musst nicht raus.

Frau von Valmont: Oh, wie schön ist Vitala!

Herr von Valmont Und was machst du so den ganzen Tag? Warten, bis es Abend ist, ha ha, ha? (legt sein ipad auf den Tisch).

Frau von Valmont: (Zeigt auf das ipad). Was ist das? So kohlrabenschwarz? Spieglein, Spieglein …….?

Herr von Valmont: Schau mal Omi, da kann ich dir die Bilder von der ganzen Familie zeigen.

Frau von Valmont: Was!!!! Sind die auch da?

Herr von Valmont: Fräulein! Ein Tässchen Kaffe für Oma und einen Latte für mich……..für Omi koffeinfrei natürlich!

Frau von Valmont: Schön ist die Vitala!

Herr von Valmont: Ja, Omi, wunderschön ist es hier in der Vitala-Residenz. So. Schau mal, Omi, das ist mein ipad. So. Damit kann ich alles, rein alles machen (wischt über das RETINA-DISPLAY) Hier habe ich die Bilder von der letzten Vernissage, hier kommen gleich die Aktienkurse, hier Wikipedia, hier die … Omi, nein, nein, doch nicht so!!!

Frau von Valmont: Eene meene muh, du bist die Kuh und der Ochs dazu.

Herr von Valmont: ….. Nein, doch nicht mit Sahne!

Fräulein! Bringen Sie bitte einen Lappen. Omi, nein!!!!

Frau von Valmont: (spitzt vornehm den Mund) Junger Mann, haben Sie schon Kaffee getrunken? Hübsches Tablett haben Sie da. (Stellt die Kaffeetasse auf das Tablet, das Bild auf dem ipad rutscht zur Seite).

Siri vom ipad: Was kann ich für Sie tun?

Frau von Valmont: Ogottogottogott! Das lebt ja.

Frau von Valmont: Sagen Sie dem jungen Mann da, er soll sich endlich mal benehmen

Herr von Valmont: …..Omi, tut mir furchtbar leid, das geht nun gar nicht, man hat immer Stress mit dir. Da habe ich mir so die Zeit abgerungen.

(Zur Bedienung) Setzen Sie den Kaffee auf die Monatsrechnung von meiner Frau Großmutter.

Nimmt sein iPad, klappt die dunkelgraue Schutzcase aus Polyrethan aus dem XXX-Store zu, geht –  er schließt etwas laut die Tür vom Vitala-Café – steigt in seinen Porsche und fährt weg. Er ist froh, dass er die monatliche Verpflichtung hinter sich gebracht hat.

Frau von Valmont: Oh, wie schön ist Vitala!

MORAL:

Siri versteht, was du sagst. Und weiß, was du meinst,“ sagt der Tablethersteller, was würde er über den Enkel sagen?


WIEDER DAHEIM …….

pass

Frau D. steht im Gang

Um ihren Hals hängt ein Bändel, an dem Bändel hängt ein Schlüssel.

Aber wo ist die Wohnung dazu? Muss sie jetzt immer bleiben? Wie ist sie denn hierher gekommen, da war kein Aussteigen, keine Passkontrolle, da war sie einfach, aber wo? Und wohin gehört der Schlüssel?

Ist das jetzt ihre neue Heimat, muss sie jetzt da rein gehen, oder gehört der Schlüssel zu ihrer Wohnung in Montreal? Wen kann sie denn fragen, alle werden ungeduldig, vielleicht muss sie aber auch rausgehen, wohnt sie denn jetzt für immer hier……..

Warum sagt ihr das niemand?

Ihr laufen die Tränen über die Wangen

Zwischen Restaurant und Rezeption treffe ich sie, sie fasst mich vorsichtig am Arm: „Darf ich Sie was fragen? Bin ich hier in Deutschland oder in Kanada?“



1.Sommerzeit

…. und dazu ein wunderschönes Gedicht von Wilhelm Busch:

Im Sommer

In Sommerbäder

Reist jetzt ein jederdoktor

Und lebt famos.

Der arme Dokter,

Zu Hause hockt er
Patientenlos.

Von Winterszenen

Von schrecklich schönen

Träumt sein Gemüt,

Wenn Dank der Götter,

Bei Hundewetter

Sein Weizen blüht.

Zum zweiten: Urlaubszeit

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 



Makuladegeneration

Vor zwei Jahren habe ich zum ersten Mal eine kleine Bildergeschichte über die Augenkrankheit Makuladegeneration gemacht. Anlass: Eine alte Dame hat mir ein Bild gezeigt, das in der Mitte verschwommen war und sagte:“Guck mal, so seh ich die Welt!“ Mir ist das nahe gegangen, ich versuchte, die Welt mit ihren Augen zu sehen. Ich habe die Bildergeschichte auf meinen Blog gestellt, andere haben sich auch dafür interessiert. Inzwischen bin ich technisch viel versierter (auch im Alter lernt man noch so einiges), deshalb habe ich nochmal eine Bildergeschichte über eine Dame mit diesem großen Problem gemacht, sie Dame heißt nicht Makula Degen, es ist Frau Dr.Dr.phil. Dagmar Lakuta.


Dibbelabbes

Dibbelabbes 1 Frau H. ist nicht hundert geworden, vor ein paar Wochen ist sie gestorben. Sie kam aus dem Saarland. Als Nachruf kommt hier ein Gedicht, das sie selbst geschrieben hat: Dibbelabbes.

Aus persönlichen Gründen hat es sie hierher in den Süden verschlagen: Alemannisch und saarländisch ist eine eigene Mischung. Was dem einen seine Röschti, sind dem andern sein Dibbelabbes. Beides sind Kartoffelgerichte. Deutschland ist ja das Kartoffelland, gekocht, gebraten, geschnetzelt, gerieben, als Suppe, als Beilage und als Hauptgericht,  dazu gehört der saarländische

Dibbelabbes.

Um denne Ausdruck zu verstehn,

do muss mer no Saarbrigge gehn.

runner un ruff im ganze Land

ist das Gericht gar wohlbekannt

mer nemmt paar Krummbier, rappt se fein,

a dicki Zwiwwel schneid ma klein,

das würzt ma gutt, wie jedes Esse,

mit Pfeffer, Salz auch Petersilie nit vergesse

Speck, wenn ma keen Cholesterin hat,*

ansonsten nehmt ma  Dürrfleisch –

bische wär er  besser

In Scheibe geschnitt mit me scharfe Messer

dann kommt  Fett in a passende Pann,

Es Dürrfleisch brot mer dodrin an.

a Viertelstund von jeder Seit,

dass es dort ach Kruschter geit,

dann is es so weit.

Die Krummbeere dazu

un e Deckel druff.

A Viertelstunde und man kann ne esse

Mit me selbstgekochte Apfelmus.

Was guts zu trinke sollt mer nit vergesse

Jetzt misse mer nit lange schwätze,

was dies un jenes heischt

de Wolfgang kanns euch übersetze,

denn ihm fällt es leicht.

Die Ilse wünscht dem lieben Paar

Viel Glück und Segen 100 Jahr

Im Internet findet man Erklärungen:

Worttrennung:

Dib·be·lab·bes, Plural: Dib·be·lab·bes·se

Bedeutungen:

[1] traditionelles saarländisches Kartoffelgericht, vergleichbar mit Reibekuchen

Herkunft:

[1] „Topflappen“, aus Dibbe (saarländisch der Topf) und Labbes (Lappen)

Synonyme:

[1] Schales

Beispiele:

[1] Ich habe Lust auf Dibbelabbes!

und einen Haufen Rezepte, aber keines ist so scharmant wie das von Frau H.. Sie hat zur Hochzeit ihres Neffen dieses Gedicht gemacht: das Rezept für Dibbelabbe. Es ist schon eine ganze Weile her, ob die Ehe noch besteht, wissen wir nicht, aber den Dibbelabbe gibt es immer noch und in der Regionalküche immer häufiger.

 


Das Unwort des Tages

EierDas Unwort des Tages

Sonnenscheinresidenz heißt seit neuestem Pflegewohnen, das ist etwas ganz anderes. Vor ein paar Jahren nannte man das noch „Betreutes Wohnen“. Man kann sich denken, was sich da klammheimlich geändert hat.

Frau B. ist noch relativ fit und keineswegs dement, manchmal muss sie aber schnell auf die Toilette, weil der Arzt ihr Wassertabletten verschrieben hat. Sie war im Keller.

Um in ihre Wohnung zu kommen, muss sie den Lift benutzen, und wie so oft kam und kam er nicht. Sie hörte am Eingang kräftige Männerstimmen und Möbelschieben. Sie ging die eine Treppe hoch und sah eine Tür im Lifteingang stehen, zwei hübsche junge Männer kamen mit einer weiteren Schranktür. Frau B. drängelte sich dazwischen, denn der Druck auf die Blase wurde immer größer, und sagte: „Jetzt geht’s aber los!“ Die jungen Männer wollten aber noch ein weiteres Schrankteil holen. „Das können Sie in einem Altersheim doch nicht machen!“ beschwerte sich Frau B. Da schaute der eine der beiden – der sehr hübsche Mann – mit seinen schwarzen Knopfaugen mitleidig auf sie herunter und sagte mit einem tiefen Seufzer: „Oh, Alzi!“

In Erinnerung an die guten alten Zeiten der Emanzipation sagte Frau B. ganz gelassen:

„Junger Mann, ich trete Sie in die Eier.“

Das hätte sie gar nicht gekonnt, zwischen beiden lehnte nämlich die Schranktür.

Es war nicht gut zu erfahren, dass es jetzt neben den Schwulis und den Spastis auch Alzis gibt.


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