1.Sommerzeit

…. und dazu ein wunderschönes Gedicht von Wilhelm Busch:

Im Sommer

In Sommerbäder

Reist jetzt ein jederdoktor

Und lebt famos.

Der arme Dokter,

Zu Hause hockt er
Patientenlos.

Von Winterszenen

Von schrecklich schönen

Träumt sein Gemüt,

Wenn Dank der Götter,

Bei Hundewetter

Sein Weizen blüht.

Zum zweiten: Urlaubszeit

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 



Makuladegeneration

Vor zwei Jahren habe ich zum ersten Mal eine kleine Bildergeschichte über die Augenkrankheit Makuladegeneration gemacht. Anlass: Eine alte Dame hat mir ein Bild gezeigt, das in der Mitte verschwommen war und sagte:“Guck mal, so seh ich die Welt!“ Mir ist das nahe gegangen, ich versuchte, die Welt mit ihren Augen zu sehen. Ich habe die Bildergeschichte auf meinen Blog gestellt, andere haben sich auch dafür interessiert. Inzwischen bin ich technisch viel versierter (auch im Alter lernt man noch so einiges), deshalb habe ich nochmal eine Bildergeschichte über eine Dame mit diesem großen Problem gemacht, sie Dame heißt nicht Makula Degen, es ist Frau Dr.Dr.phil. Dagmar Lakuta.


Dibbelabbes

Dibbelabbes 1 Frau H. ist nicht hundert geworden, vor ein paar Wochen ist sie gestorben. Sie kam aus dem Saarland. Als Nachruf kommt hier ein Gedicht, das sie selbst geschrieben hat: Dibbelabbes.

Aus persönlichen Gründen hat es sie hierher in den Süden verschlagen: Alemannisch und saarländisch ist eine eigene Mischung. Was dem einen seine Röschti, sind dem andern sein Dibbelabbes. Beides sind Kartoffelgerichte. Deutschland ist ja das Kartoffelland, gekocht, gebraten, geschnetzelt, gerieben, als Suppe, als Beilage und als Hauptgericht,  dazu gehört der saarländische

Dibbelabbes.

Um denne Ausdruck zu verstehn,

do muss mer no Saarbrigge gehn.

runner un ruff im ganze Land

ist das Gericht gar wohlbekannt

mer nemmt paar Krummbier, rappt se fein,

a dicki Zwiwwel schneid ma klein,

das würzt ma gutt, wie jedes Esse,

mit Pfeffer, Salz auch Petersilie nit vergesse

Speck, wenn ma keen Cholesterin hat,*

ansonsten nehmt ma  Dürrfleisch –

bische wär er  besser

In Scheibe geschnitt mit me scharfe Messer

dann kommt  Fett in a passende Pann,

Es Dürrfleisch brot mer dodrin an.

a Viertelstund von jeder Seit,

dass es dort ach Kruschter geit,

dann is es so weit.

Die Krummbeere dazu

un e Deckel druff.

A Viertelstunde und man kann ne esse

Mit me selbstgekochte Apfelmus.

Was guts zu trinke sollt mer nit vergesse

Jetzt misse mer nit lange schwätze,

was dies un jenes heischt

de Wolfgang kanns euch übersetze,

denn ihm fällt es leicht.

Die Ilse wünscht dem lieben Paar

Viel Glück und Segen 100 Jahr

Im Internet findet man Erklärungen:

Worttrennung:

Dib·be·lab·bes, Plural: Dib·be·lab·bes·se

Bedeutungen:

[1] traditionelles saarländisches Kartoffelgericht, vergleichbar mit Reibekuchen

Herkunft:

[1] „Topflappen“, aus Dibbe (saarländisch der Topf) und Labbes (Lappen)

Synonyme:

[1] Schales

Beispiele:

[1] Ich habe Lust auf Dibbelabbes!

und einen Haufen Rezepte, aber keines ist so scharmant wie das von Frau H.. Sie hat zur Hochzeit ihres Neffen dieses Gedicht gemacht: das Rezept für Dibbelabbe. Es ist schon eine ganze Weile her, ob die Ehe noch besteht, wissen wir nicht, aber den Dibbelabbe gibt es immer noch und in der Regionalküche immer häufiger.

 


Das Unwort des Tages

EierDas Unwort des Tages

Sonnenscheinresidenz heißt seit neuestem Pflegewohnen, das ist etwas ganz anderes. Vor ein paar Jahren nannte man das noch „Betreutes Wohnen“. Man kann sich denken, was sich da klammheimlich geändert hat.

Frau B. ist noch relativ fit und keineswegs dement, manchmal muss sie aber schnell auf die Toilette, weil der Arzt ihr Wassertabletten verschrieben hat. Sie war im Keller.

Um in ihre Wohnung zu kommen, muss sie den Lift benutzen, und wie so oft kam und kam er nicht. Sie hörte am Eingang kräftige Männerstimmen und Möbelschieben. Sie ging die eine Treppe hoch und sah eine Tür im Lifteingang stehen, zwei hübsche junge Männer kamen mit einer weiteren Schranktür. Frau B. drängelte sich dazwischen, denn der Druck auf die Blase wurde immer größer, und sagte: „Jetzt geht’s aber los!“ Die jungen Männer wollten aber noch ein weiteres Schrankteil holen. „Das können Sie in einem Altersheim doch nicht machen!“ beschwerte sich Frau B. Da schaute der eine der beiden – der sehr hübsche Mann – mit seinen schwarzen Knopfaugen mitleidig auf sie herunter und sagte mit einem tiefen Seufzer: „Oh, Alzi!“

In Erinnerung an die guten alten Zeiten der Emanzipation sagte Frau B. ganz gelassen:

„Junger Mann, ich trete Sie in die Eier.“

Das hätte sie gar nicht gekonnt, zwischen beiden lehnte nämlich die Schranktür.

Es war nicht gut zu erfahren, dass es jetzt neben den Schwulis und den Spastis auch Alzis gibt.


Roswitha und Elisabeth

Diese Doppelgeschichte stand schon einmal im Internet, und zwar auf dem Alzheimerblog, leider wurde dieser Blog der Deutschen Alzheimergesellschaft beendet. Alle Dateien wurden entfernt, hier ist das Internet so vergesslich wie die Menschen, die diese Krankheit haben. Mein Rechner hat die beiden Damen nicht vergessen und ich auch nicht, begegne ich ihnen doch ab und zu. Ich habe die Geschichte neu zusammengestellt und  zwei Bilder von Waltraud Stern dazu ausgesucht.

Tanz

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Tanz

Die Variante in Rosa

Da ist sie, Elisabeth, schon länger. Mit starrem Blick läuft sie die Gänge auf und ab und ab und auf oder mal ums Haus bei schönem Wetter. Geht man an ihr vorbei sagt sie immer:“Schönen Tag!“ oder „Alles Gute!“. Dann sitzt sie stundenlang in einem Sessel vor dem Empfangsschalter der Rezeption. Den Kopf auf die Arme gestützt, sinniert sie über den Lauf der Welt, aber wohlerzogen schaut sie hoch, immer wenn jemand vorbeigeht: “Einen schönen Tag auch!“

Von schrecklichen Erlebnissen wird gemunkelt, niemand weiß aber nichts. Manchmal geht es ihr einen Hauch besser, dann kann man sogar ein paar Worte mit ihr reden.

Und nun die andere: Sie ist noch nicht lange hier, sie wirkt kokett. Hatte wohl irgend etwas mit Mode zu tun. Mit hoch erhobenem Kopf huscht sie durch die Gänge, immer in Bewegung und immer auf dem Weg zu einer wichtigen Verabredung, die sie gerade neu erfunden, weil sie die alte vergessen hat.

Sie heißt Roswitha.

Elisabeth und Roswitha haben sich gefunden. Sind jetzt Freundinnen. Aus der tagelangen Einsamkeit sind beide nun herausgetreten in die stundenlange Zweisamkeit:

Sie sitzen vergnügt auf dem Sofa im Aufenthaltsraum und gackern und lachen und freuen sich des Lebens.

Roswitha hat die jahrelange Isolation von Elisabeth aufgebrochen, sie hat einen Einlass in deren Welt gefunden und wie verliebt schauen sie sich an und schaffen sich eine neue nach dem Motto:

Wenn dir diese Welt nicht gefällt, dann schaff dir eine neue.

und hier der dunkle, blaue Schluss…..

frauinblau

 

Vorbei geht Frau S., schiebt den Rollator vor dem dicken Bauch, Schritt für Schritt arbeitet sie sich voran, kneift die Lippen zusammen, schaut auf die beiden alten Mädchen und presst zwischen den Zähnen hervor: „Und lesbisch sind sie auch!!“
Ihre ordentlich gefügte Welt hat einen tiefen Riss bekommen, weil Sodom und Gomorrha auch im Altersheim Einzug genommen hat.


Frau in Blau


Frühsommer

Sommerspuren 120x120
Lothar Walsdorf:
Das Geschenk
  Du hast mir Sonnen gebracht
und drei rote Königinnen
zum Strauß gebunden
mit Schleiergras
und mit
Ringelrosen vermischt…
 und nun habe ich einen schönen Garten
in der Vase von dir

Das Gedicht von Lothar Walsdorf passt gut zum meteorologischen Sommeranfang am 1.Juni, dazu ausgesucht habe ich ein neues Bild von

http://www.waltraud-stern.de

Sommerspuren


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