Der Oma schmeckt’s nicht….

Aber dem Opa schmeckt’s…….

Seit einer ganzen Weile wohnt Frau Müller in einer Institution im äußersten Süden Deutschlands. Diese Einrichtung hat viele verschiedene Namen. Sonntags heißt sie „Seniorenresidenz“, werktags nennt man sie „Altersheim“. Hier hat sie für sehr viel Geld eine sehr kleine Wohnung mit einer winzigen, aber sehr perfekten Küche gemietet. Frau Müller ist nicht dumm, sie ist nur alt. Trotzdem lernt sie immer noch dazu. Gerade, als sie sich an den supermodernen Induktionsherd gewöhnt hatte, als sie dieses Wunderwerk der Küchentechnik bedienen konnte, als sie endlich gelernt hatte, was „Booster“ heißt, schlug wieder der Menschenfeind „ Alter“ zu. Es war ja nur ein kleiner Schlag, eigentlich kein Schlag, schon gar kein Blitzschlag, eher das Gegenteil, eine schleichende Verfinsterung mit Sternschnuppen. So zeigte sich ihr der graue Star. Es musste operiert werden, einmal links und einmal rechts im Abstand von 4 Wochen.

Das hieß für sie mindestens 6 Wochen absolute Fehlsichtigkeit. Sie konnte sich nur schlecht orientieren und im Haushalt praktisch nichts mehr machen. In diese Zeit fällt das nette kleine Gespräch, das sie mit Ihrer Tochter, die weit weg wohnt, geführt hat.

Nach kurzem einführenden Geplänkel, der Mitschnitt beginnt:

Frau Müller: (Jammernd) Oh Angela, jetzt klappt’s ja gar net mehr mit dem Kochen, jetzt muß ich wohl auch im Heim essen.

Angela unterbricht sie: Ich weiß nicht, was du willst…

Frau Müller: Es ist ja so teuer, und es schmeckt mir gar nicht. Gemüse nur aus der Dose und die Nudeln so verkocht.

Angela: (sehr forsch) Jetzt stell dich nicht so an, hier bei uns im Ort  im Elisabethen-Stift, da wo der Onkel Karl-Gustav ist, da gibt es ein sehr gutes Essen, das sagen alle.

Frau Müller: (den Tränen nah) Ich wohn doch aber hier und…..

Angela: (unterbricht sie)  Ich kann dich gar nicht verstehen, alle finden es  hier super und billig, ich kenn Leute, die geh’n sogar zum Essen dorthin

Frau Müller: „ich würde ja auch ………

Angela: (fällt ihr ins Wort)

Ich finde das ja pervers, wenn Leute ins Altersheim zum Essen gehen,

Frau Müller: A-aber das …..

Angela: Ich finde das ja total unmöglich, richtig pervers, wenn normale Leute da zum Essen hingehen. Also tschüssi Mama und guten Appetit!!!

Die Oma bleibt sprachlos zurück und macht jetzt die Hörgeräte raus, wenn sie mit ihrer tüchtigen Tochter telefoniert und denkt:

Oh, wie schön wär’s, wenn ich auch so pervers wäre
!


Wie die Oma auf’s Skateboard kommt

 

 

 

Natürlich bin ich als Kind Rollschuh gefahren. Zur großen Kunst habe ich es nicht gebracht, einen Bogen konnte ich immerhin fahren, als Bremse dienten die Hauswände. In der Stadt, in der ich groß geworden bin, gibt es rund um den riesigen Marktplatz im Schachbrett-Muster Arkaden. Mit großem Getöse fuhren wir auf den Metallrädern von Arkade zu Arkade, die letzte in der Reihe war unser Halt. Wenn ich so zurückdenke, so war das sehr stümperhaft vom sportlichen Können  her betrachtet. Wir wollten nur unser Vergnügen, das entweder mit aufgeschlagenen Knien oder dem Verbot der entnervten Ladenbesitzer endete.Sport war damals in den sechziger Jahren des letzten Jahrhunderts nicht „Kult“.

Sport war noch Leibesertüchtigung und kein Lebensgefühl. Es war erlaubt, den Sport etwas von oben herab zu betrachten. Für die sechziger Jahre ging das noch, der Unsportliche konnte so doof sein, wie er wollte, er galt immer als Geistesmensch. Da es noch keinen Knieschutz gab, war ich ein „Geistesmensch mit aufgeschlagenen Knien“.

Die Zeiten änderten sich nach und nach, plötzlich  musste, wer was gelten wollte, sportlich sein.  Die Rollschuhe wurden weggelegt, die Inliner kamen in Mode. Da wurden die Hauswände weniger wichtig, die Inliner hatten nämlich Bremsen, man konnte also selbständig anhalten. Diese Entwicklung ging an mir aber vorbei. Ich war in Kuba, und dort unter der heißen Sonne gab es gar nichts, nur alte Autos und chinesische Fahrräder ohne Licht und oft ohne Bremse. Als ich 2000 aus Kuba zurückkam, hatte mich die Entwicklung überholt.

Ich sah im Café einen Jungen von ca 12 Jahren . Er spielte mit einem winzig kleinen Brettchen mit vier winzig kleinen Rädchen und machte fingerfertige Kunststücke. Ich war fasziniert und sprachlos über so viel spielerischen Luxus. Kurz darauf staunte ich auch über die echten großen Skateboards.

Im Park, dort wo ich dann später als alte Dame mit meinem Hund spazieren ging, gab es sogar eine Skater-Bahn. Ich staunte nicht schlecht.

Vor einem Jahr habe ich das im Fernsehen gesehen

Jetzt habe ich ein Skateboard, in meiner Jugend hätte man Rollbrett dazu gesagt. Ich habe es mir wirklich gekauft! Es ist nicht ganz komplett, ich besitze nur das Mittelstück, darauf steht: „The most drunken skateshop in the world“.

Mein Rollbrett rollt nicht, es steht auf drei Beinen, fest und sicher, also ideal für mich – ich will mir ja nicht mehr die Knie aufschlagen. Es ist sehr leicht, dass es sich gut auf dem Rollator transportieren lässt. Es ist aber auch für junge Leute geeignet, „cool“ würden die sagen oder „stylish“ oder so. Wenn ich 10 Enkel hätte, würde ich jedem/jeder eins kaufen. Mit Herz!!!


Das noch zum Internationalen Frauentag

Liebe Clara Zetkin,

 

!!!!!!!!!!!!!!!

 

heute ist der internationale Frauentag eine Woche her. Laut Wikipedia verdanken wir den ja dir und der sozialistischen Internationale und nicht Fleurop und auch nicht Lindt und Sprengel. Liebe Genossin Zetkin, hast du dich auch so gegrämt, als genau zu deinem, beziehungsweise unserem internationalen Frauentag Yves Saint Laurents Nachfolger die magersüchtigen Mädchen auf die Pariser Plakatwände geklebt hat? Dort mussten diese Gespensterinnen eine Woche aushalten und wir mit.

Als ich noch ein Mädchen war, also in ganz jungen Jahren, es war so in den späten 60er oder Anfang der 70er Jahre war ich auch mal in Paris. Da saß ich in einer Metrostation (natürlich in Begleitung meiner Gasteltern) und schaute mit den Augen eines Landkindes auf die große weite Welt. Ich  sah ich zum ersten Mal eine Polizistin. Sie lief neben einem männlichen Kollegen, es waren wie immer und überall zwei, hier nun ein Mann und eine Frau, beide in blauer Uniform, der Mann mit Hosen und praktischem Schuhwerk, die Frau im engen Rock mit kleinen Seitenschlitzchen, die ein etwas besseres Ausschreiten möglich machten, dazu trug Madame dezente kleine Pumps mit 5cm Absatz in dunkelblau, passend zum Rock.

Ich staunte und folgte aufmerksam, wie sie an mir vorbei gingen. Plötzlich, irgend etwas passierte, die beiden rannten los. Was meinst du, ma chère Clara, wer war schneller?  Natürlich der Mann! Da kam mir zum ersten Mal der Gedanke der Benachteiligung des weiblichen Geschlechts. Der Stachel der versteckten Diskriminierung. Es ist doch selbstverständlich, dass Mann und Frau gleich behandelt werden, wenn Frau Polizistin aber unbedingt modischer gekleidet sein will?????

Zurück zu meinen Erfahrungen: Die Absätze meiner ersten hohen Schuhe hatten auch nur  fünf Zentimeter, aber ich hatte damals schon den Eindruck, ich falle nach vorn.

Gnadenlos wurden die Absätze höher und höher, man nannte diese Schuhe Stöckelschuhe mit Pfennigabsätzen, Kein Parkettboden widerstand dieser Waffe.

Zehn Jahre später haben wir unsere Stöckelschuhe weggeworfen.

Damals, als wir glaubten, die Internationale würde den Weltfrieden bringen, oh Clara Zetkin, schaust du manchmal noch auf uns Frauen herab?

Die Polizistinnen sind inzwischen angepasster gekleidet….. aber was ist mit den anderen Frauen?

Aus Stöckelschuhen wurden „High Heels“.

Heute hat sich der Europäische Gerichtshof mit dem Kopftuch auseinandergesetzt…….aber das ist nur so ein kleiner Gedanke von mir. Es gibt ja viel Wichtigeres zu verbieten.

Bis zum nächsten Jahr

 


Make Mexico great again

 

Das ist nicht meine Antwort auf Donald Trump, sondern die meines Bioladens: Primacasa in einer kleinen süddeutschen Stadt. Als ich das Foto meinem mexikanischen Freund geschickt habe, kam die Antwort: „Das is da hammer!“

 

Und da der Internationale Frauentag nicht mehr weit ist, kommt noch ein Beitrag aus Mexiko:

ADELITA – bei Wikipedia findet man alle Informationen zu dieser „Soldadera“ mit dem kleinen Hintergedanken, was hätte diese Frau mit dem Herrn Präsidenten gemacht?


Dear Martin Luther!

hoch verehrter Reformator, du genialer Wortschöpfer und Sätzebildner. Wir wissen, du hast einmal dein Tintenfass nach dem Teufel geworfen. Könntest du bitte wiederkommen? Könntest du meinen Computer an die Zimmerwand schmeißen?  Ich habe auch eine Mordswut , ich bin aber  alt und schwach. Bei mir in der Ecke haust auch ein Teufel, der Englisch-Beelzebub. Der muss weg! Er schwätzt mir die Ohren voll und das Hirn weg. Hoch verehrter Martin Luther, du hast vor langer Zeit gesagt:

 

 

„Man muss die Mutter im Hause, die Kinder auf den Gassen, den gemeinen Mann auf dem Markt fragen und denselbigen aufs Maul sehen, wie sie reden und danach dolmetschen, so verstehen sie es dann und merken, dass man Deutsch mit ihnen redet.“*

 

Daran hält sich niemand mehr!

Schaut man uns Alten aufs Maul?  Nein, uns guckt man nicht auf den Mund, uns nicht und dem gemeinen Mann nicht. Auch nicht dem Kind. Alle schauen nur
nach Amerika……Wir schreien in großer Not, weil wir nichts mehr verstehen.


In der Schule hat man uns mit Englisc traktiert, doch wir haben forgot it.  Yes Gott help us. We have nur Rechnen gelernt. Jetzt werden wir Tag für Tag mit neuen englischen Wörtern beworfen, which were often no always  englisch. Es schlägt über unserem Kopf zusammen, me turns up the head.. Der alte Katholik hatte, als du unter uns warst,  klare Regeln und many icons an den Wänden der Kirchen. Mir erklärt kein Comic, wie ich in Himmel komme. Must I go over the higher grownd oder längt a event in the church?

Lieber Brother Martin, do you hear me? Gestern verirrte ich mich in the holy katholick chörch, auch da was a song in englisch, a holy song: „I viel so homelig.“

I am lost in the Speak-Trash and I am looking for the castle und kann’s nicht finden.

I am a old, fromm wife and need your help.

Please come back, only for one day to schmeißen some computers at the wall….

Jag den Teufel off, that all is like vorher.

Ich danke dem werten Bruder Martin von ganzem Herzen, IM VORRAUS

THANK YOU VERY MUCH

 

 

 

 

 

*dem Volk aufs Maul schauen (beobachten, wie sich die einfachen Leute ausdrücken und von ihnen lernen; nach M. Luthers [1483–1546] »Sendbrief vom Dolmetschen

Am 21.Februar ist der Tag der Muttersprache

Die Bilder sind in St.Peter Blansingen aufgenommen


Derrick

Mein Computer hat noch die Bilder und die Daten, mein Computer ist besser als mein Gedächtnis. Aufgenommen habe ich das Bild am 11.Dezember 2004, als ich ein kleines Theaterprojekt in einer großen Flüchtlingsunterkunft fotografisch begleitete. Im Zusammenspiel mit deutschen Jugendlichen entstand ein Stück über die verschiedenen Lebenswirklichkeiten.

Die Deutschen kamen aus verschiedenen Schulen, die jungen Afrikaner aus verschiedenen Ländern. Alle waren – wie man damals offiziell sagte – UMF’s. Das sind unbegleitete minderjährige Flüchtlinge, d.h. Kinder oder Jugendliche, die ohne Eltern hier in Deutschland ankamen. Niemand wusste, ob ihre Angaben stimmten oder nicht, aber das zu klären war auch nicht unsere Aufgabe. Wir waren Laien im Ausländerrecht, Laien im Umgang mit traumatisierten Persönlichkeiten, aber voll guter Zuversicht und gläubigem Unverständnis.

Die jungen Männer kamen zu den Treffen, sie entflohen ihren schrecklichen Unterkünften, wo sie in winzigen Zellen in dem ehemaligen Kasernengelände schon eine relativ lange Zeit eingesperrt waren. Alle wünschten sich eine deutsche Freundin, sie hofften mit einer Heirat eine Aufenthaltsgenehmigung zu bekommen.

Da war Charles aus Nigeria, ein ruhiger junger Mann, der sehr gut zeichnen konnte. Es gab einen John aus Ghana, der uns immer anbettelte, er wollte sich ein Bier kaufen. Anthony strahlte immer, er lachte die Schwierigkeiten weg. Und Derrick, ja Derrick. Ein sanfter junger Mann, der sich oft am Bahnhof herumtrieb. Er rührte mich besonders. Seine Mutter hatte ihn wohl nach dem Oberspießer Derrick, dem bekanntesten deutschen Kriminalkommissar der 70er Jahre,  benannt. Diese Serie wurde auch nach Afrika exportiert. Ich kann es selbst bezeugen, denn ich habe sie gesehen im Norden Malis, in einer Hütte. Ein geschäftstüchtiger Mann hatte einen Videorekorder aufgebaut, da lief auf Französisch eine Folge „Derrick“, das ganze Equipement war an eine Autobatterie angeschlossen. Davor stand eine wackelige Holzbank, ein Plastikstuhl und ein traditioneller Holzhocker, zehn Plätze, drei Zuschauer. Der Eintritt war für uns billig, für die Dorfbewohner war er sehr teuer: ein Tagesverdienst. Der Film zeigte das traumhafte Leben in der reichen Welt, deshalb  hatte das arme Muttchen ihrem kleinen Jungen im Krieg den Namen Derrick gegeben in der Hoffnung, damit das luxuriöse Leben einzufangen.

Nun saß Derrick in der Turnhalle und sollte Theater spielen. Er hockte auf dem Fensterbrett, schaute depressiv auf die Djembé, eine echte afrikanische Trommel, die ein Mitarbeiter als Souvenir aus dem Senegal mitgebracht hatte. Man hatte sie ihm in die Hand gedrückt, obwohl er gar nicht trommeln konnte, wahrscheinlich hatte er ganz andere Gerätschaften in der Hand gehabt. Er rührte auf dem Fell und wiederholte einen merkwürdigen Singsang ganz leise, dabei wischte er sich die tränenlosen Augen: “Immer weinen, immer weinen!“

Nach und nach verschwanden sie alle, sie wurden verlegt, man hörte etwas, eine Vermutung oder ein Gerücht. Die Unterkunft wurde irgendwann aufgelöst, alles fing wieder von vorn an.

Ich weiß nicht, was aus Derrick geworden ist.

Zum 12.Februar: https://de.wikipedia.org/wiki/Internationaler_Tag_gegen_den_Einsatz_von_Kindersoldaten


Hedwig ist im Altersheim

Diese Bildergeschichten waren im Frühjahr 2015 auch auf dem Alzheimerblog, der erste war der Valentinstag und der letzte Thementag ist der Muttertag


Licht und Schatten

Frau O – eine immer elegante Dame – sitzt unten in der Rezeption. Sie wartet auf  die Öffnung des Speisesaals. An diesem Tag ist sie besonders elegant: gut frisiert, schön lackierte Fingernägel und auf den Lippen das zarte passende Rot-

Als ihr ein Kompliment gemacht wird, sagt sie:

Heute morgen habe ich mich so liederlich und dummelig gefühlt. Ich wusste gar nicht, ob ich überhaupt aufstehen will. Da habe ich mir gesagt, entweder bleibste liegen oder ziehst was besonders Schönes an.

Das hat sie dann auch gemacht als Vorbild für alle, die sich durch die Tage kämpfen müssen.

Danke, Frau O.

 


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